Rückblick: Sprechen über Architektur

Am Mittwoch den 14.3. nahm ein fast vollbesetzter Festsaal im Rathaus Scheibbs Platz. Warum? Um über Architektur zu sprechen. Aber WARUM?
Architektur = Kisten bauen. Die beiden Architekturstudenten und Gründer des studiorural, Bernhard Mayer und Thomas Musil, verneinen dies vehement, weshalb sie gemeinsam mit dem Kulturverein Proberaum Scheibbs zu diesem Vortragsabend eingeladen haben. Architektur ist nämlich sehr viel mehr. Denn es geht auch um übergeordnete Themen wie kulturelle und gesellschaftliche Aspekte, sowie das ‚Dazwischen‘ – den öffentlichen Raum, der die einzelnen Gebäude miteinander verbindet. Die Veranstaltung soll den Besuchern die Vielschichtigkeit dieses Berufs aufzeigen und dabei vor allem auf Themen rund um die Baukultur im ländlichen Raum eingehen.

 

Fotos © Bernhard Mayer, 2018

Die dazu geladenen Vortragenden gehören österreichweit zu den führenden Expertinnen und Experten – Angefangen bei einem Architekturbüro, das ganze Ortschaften betreut, über einen Architekten, der am Land lebt und baut, einem, der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass Ybbsitz den Baukulturgemeindepreis 2016 erhalten hat und jenem Verein, der diesen Preis überhaupt vergibt, bis hin zur Leiterin der einzigen Architekturschule ‚am Land‘.

Georg Bauer, Architekt und viele Jahre Vorstandsmitglied des ORTE Architekturnetzwerk NÖ, meint gleich zu Beginn seines Vortrags im Bezug auf die Architekturvermittlung von ORTE: „Es braucht kein Vorwissen, nur Neugierde“. Genau wie auch Stefan Spindler (Architektur/nonconform Ideenwerkstatt) dezidiert hervorhebt: „Die besten Projekte entstehen dann, wenn man die Menschen in die Projekte mit einbindet, die diese dann auch benutzen.“ Wolfgang Hochmeister, selbst seit viel- en Jahren Architekt und lange Jahre Berater der Baukulturgemeinde Ybbsitz, kann dies bestätigen. Beim Umbau des Kindergartens in Ybbsitz waren „von Anfang an alle Pädagoginnen in das Projekt miteingebunden, noch bevor wir den ersten Strich gezeichnet hatten!“ Die einzelnen Gruppenräume sind rund um einen „Marktplatz“ angeordnet, durchaus vergleichbar mit einzelnen Gebäuden einer Ortschaft. Eine Mikro-Ortschaft quasi. Daher meint Hochmeister im Bezug auf den Raum zwischen Gebäuden weiter: „Wenn immer nur das Auto und die Verkehrsflächen das Wichtigste sind, und damit wertvolle Flächen vergeudet werden, fehlt irgendwann das soziale Gefüge komplett, wie es teilweise bereits der Fall ist.“ Es brauche eine „inhaltliche Weiterentwicklung“.

Um diese Weiterentwicklung geht es auch der Studiengangsleiterin Elisabeth Leitner – jener Architekturfakultät, welche sich nicht in einer Stadt, sondern tatsächlich „am Land“ befindet – der FH Kärnten in Spittal an der Drau. Auf die Frage wie sich eine Architekturschule in einer Abwanderungsregion be- währen kann, meint die gebürtige Niederösterreicherin: „Man müsse den Blickwinkel verändern, sich nicht ständig mit anderen vergleichen und sein eigenes ‚Ding‘ durchziehen“ – soll heißen: als ‚ländliche‘ Architekturschule wird ‚das Land‘ in den Fokus gerückt und somit diese Nähe sogar als eigene Stärke ausgespielt. Die Nähe, aber auch die Beschaulichkeit von kleineren Orten, ist es, welche die Berührungsangst schneller verschwinden lässt und somit Projekte im Ort und mit der Bevölkerung leichter und auch rascher ermöglicht. Dies bestätigt auch Thomas Moser, Vorstand im Verein Land- Luft, wenn es darum geht, Gemeinden zu unterstützen, die den eigenen Ort (wieder-) beleben wollen – „Baukultur machen Menschen wie du und ich“.

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